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Emilia Licht   

 

Achtung! Neues Buch "Aus Deiner Sicht" erscheint am 30.01.2016! 

Interview mit Titus M├╝ller ├╝ber sein neues Buch

 ÔÇ×Gl├╝cklich der Mensch“

 

Titus M├╝ller, 1977 in Leipzig geboren, studierte Neuere deutsche Literatur, Mittelalterliche Geschichte und Publizistik in Berlin. 2002 rief er gemeinsam mit Kollegen den Autorenkreis Historischer Roman ÔÇ×Quo Vadis“ ins Leben. 2005 wurde er mit dem C.C. Lewis-Preis ausgezeichnet. Bislang ver├Âffentlichte er etliche historische Romane wie ÔÇ×Die Brillenmacherin“, ÔÇ×Die sieben H├Ąupter“ und ÔÇ×Das Mysterium“. 2013 erschien der Roman ÔÇ×Nachtauge“, ein Spionage-Thriller aus dem zweiten Weltkrieg. Dieses Buch ist aktuell auf der Shortlist zum renommierten Preis der Histo-Couch, dem Histo-K├Ânig. 

Doch neben diesem Genre schreibt Titus M├╝ller  immer wieder ├╝ber Menschen, die ihre pers├Ânliche Erf├╝llung auf ungew├Âhnlichen Wegen gefunden haben. So erz├Ąhlt er in seinem Roman ÔÇ×Der Schneekristallforscher“ die Geschichte von Wilson Bentley, der im 19. Jahrhundert in Jericho/ Vermont, New York Schneekristalle gesammelt hat. Diese Erz├Ąhlung beruht auf wahren Begebenheiten.

Das Buch  ÔÇ×Gl├╝cklich der Mensch“, ├╝ber das ich im folgenden Interview mit Titus M├╝ller gesprochen habe, besch├Ąftigt sich mit Franz von Assisi. Ebenfalls ein Mensch mit einem ungew├Âhnlichen Lebensweg. Besonders gelungen finde ich die Illustrationen, die alle von Eberhard M├╝nch stammen, einem Maler aus Wiesbaden, der u.a. italienische Wandmalerei studiert hat.

 

Emilia Licht: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Eberhard M├╝nch?

Titus M├╝ller: Der Adeo Verlag arbeitet schon seit Jahren fruchtbar mit Eberhard M├╝nch zusammen. Als mich Programmleiter Stefan Wiesner letztes Jahr fragte, ob ich mir vorstellen k├Ânnte, ├╝ber Franz von Assisi zu schreiben, hat er parallel dazu auch Eberhard M├╝nch zum Projekt eingeladen. Am Ende lief es so, dass ich den Text verfasst habe und Eberhard M├╝nch hat schon einmal Entw├╝rfe gesammelt, und dann hat er meinen Text gelesen und passend zur Geschichte die Bilder gemalt.

Emilia Licht: Warum w├Ąhlst du die szenische Erz├Ąhlform? ├ťblich ist ja bei Biografien eher eine sachliche Form, die vor allem Wert auf Vollst├Ąndigkeit und meistens auch Neutralit├Ąt legt.

Titus M├╝ller: Wir machen genau das Gegenteil. Weder ist "Gl├╝cklich der Mensch" vollst├Ąndig, noch ist es neutral. Wir sind Franz von Assisi in den Alltag gefolgt und haben versucht, den Zeitgeist und das Lebensgef├╝hl von damals einzufangen. Genau recherchiert ist es trotzdem. Mir hat dabei geholfen, dass ich Mittelalterliche Geschichte studiert habe, einer meiner Professoren war Spezialist f├╝r die Zeit Friedrichs II. -- damals, als ich mich f├╝r die Pr├╝fungen vorbereitet habe, h├Ątte ich nie gedacht, dass ich in ein paar Jahren auf ganz andere Art in diese Zeit eintauchen w├╝rde. "Gl├╝cklich der Mensch" ist aber kein Sachbuch, es ist eine Erz├Ąhlung mit allen Emotionen, die ein Kunstmaler und ein Autor da hineinlegen d├╝rfen. Warum haben wir das Buch so gestaltet? Weil ich Franz von Assisi nicht nur den Argumenten nach verstehen wollte, sondern mich auch in seine Zeit und sein Erleben hineinf├╝hlen wollte.

 Emilia Licht: Wie und wo hast du recherchiert?

Titus M├╝ller: Es gibt verschiedene historische Quellen zu Franziskus, zum Beispiel die "Dreigef├Ąhrtenlegende", "Spiegel der Vollkommenheit", Franziskus’ "├Ąltere Ordensregel", die "Legenda antiqua", Franziskus’ Testament, Franziskus’ "Lobpreis der Tugenden", Franziskus’ "Lobpreisungen der Gesch├Âpfe", Thomas von Celanos "Erste Lebensbeschreibung", Thomas von Celanos "Zweite Lebensbeschreibung". Der Versuch, hinter die Kulissen zu schauen, ist bei einem Mann, der als Heiliger verehrt wird, nat├╝rlich nicht leicht.

 Emilia Licht: F├╝r wen hast du dieses Buch geschrieben, wer ist deine Zielgruppe?

Titus M├╝ller: Zum ersten Mal in der Geschichte hat sich ein Papst Franziskus genannt. Das war ja kein Zufall, er hat den Namen sehr bewusst gew├Ąhlt. Das TIME Magazine ernannte Franziskus zum einflussreichsten Mann des Jahres 2013, und tats├Ąchlich bewegt er viel in der katholischen Kirche. Da finde ich, ist die Frage berechtigt: Wer war eigentlich dieser Franz von Assisi, nach dem er sich benannt hat? Mit ein bisschen Neugier d├╝rfte das f├╝r die meisten Menschen, ob nun gl├Ąubig oder nicht, spannend sein.

 Emilia Licht: Vielen Dank f├╝r das Interview!

  

Meine Meinung zum Buch? Ich habe dieses Buch an zwei Nachmittagen durchgelesen, das sagt eigentlich schon alles. Abseits von Genre und Unterhaltung, hat mich der Lebensweg des jungen Franz von Assisi sehr ber├╝hrt. Er fasst einen irrwitzigen Entschluss, ohne jede rationale Grundlage und nichts kann ihn mehr von seinem Weg abbringen. Er leidet, er zweifelt, er weint und k├Ąmpft. Einmal mehr hat mich das erz├Ąhlerische Talent von Titus M├╝ller ├╝berzeugt, der es schafft, das Thema Glauben und Kirche in eine Sprache zu ├╝bersetzen, die mich ber├╝hrt.

 

 

 

Interview mit Kerstin Hohlfeld

Die sympathische Berliner Autorin Kerstin Hohlfeld ist ihren Leserinnen vor allem durch ihre wunderbaren Romane um die Schneiderin Rosa Redlich bekannt. Zuletzt erschien im Gmeiner Verlag ÔÇ×Winterw├╝nsche“.

Doch nun hat Kerstin Hohlfeld die Perspektive gewechselt, zumindest f├╝r einen Abend. Eine Lesung in privater Atmosph├Ąre sollte es sein, ganz in der Tradition der pr├Ąchtigen Literatursalons vergangener Tage. Aber nicht sie selbst wollte lesen, sondern Gastgeberin sein. Wie sie ihre G├Ąste fand, welche Autorin zur Premiere gelesen hat und was man beachten sollte, will man eine solche Veranstaltung selbst einmal organisieren, dar├╝ber hat sie mit mir gesprochen.

Emilia Licht: Was war der Anlass f├╝r diesen ersten Literatursalon in so privater Umgebung?

Kerstin Hohlfeld: Das hat mehrere Gr├╝nde. Der erste war sicherlich der, dass ich sehr gern G├Ąste habe.

Au├čerdem bin ich selbst Autorin und finde den Gedanken sch├Ân, die Arbeit meiner Kolleginnen auf diese Weise zu unterst├╝tzen.

Die Arbeit als Autor ist manchmal ganz sch├Ân einsam. Monate lang f├╝llen wir wei├če Seiten, feilen am Text, korrigieren, ├Ąndern, arbeiten die Anregungen unseres Lektors ein. Weitere Monate vergehen, bis das Buch im Katalog des Verlags erscheint und dann endlich in den L├Ąden liegt. Auf Amazon, bei Lovelybooks oder anderen Portalen erscheinen die ersten Rezensionen und wir fiebern, ob das Buch bei den Leserinnen gut ankommt. AberÔÇ×einsam“ sind wir eigentlich immer noch. Meist sitzen wir unterdessen l├Ąngst am n├Ąchsten Manuskript.

Und genau da kommen die Lesungen ins Spiel. Die sind eine wunderbare M├Âglichkeit, mit den Leserinnen einmal in direkten Kontakt zu treten und zu erfahren, wie sie unsere Geschichten aufnehmen.

Daf├╝r eignet sich so ein kleiner privater Salon, in dem sich Autoren und ihre Leser unbefangen einmal nah sein k├Ânnen, ganz wunderbar. Bei einem Glas Wein, in einem gem├╝tlichen Wohnzimmer f├Ąllt es leicht, aufeinander zuzugehen und miteinander zu reden.

Ich gehe selbst gern auf Lesungen, die in einem kleinen Umfeld stattfinden.

Emilia Licht: Nach welchen Kriterien hast Du die teilnehmenden Autorinnen ausgesucht? 

Kerstin Hohlfeld: Ich habe zuerst Autorinnen gefragt, die ich pers├Ânlich kenne und deren B├╝cher ich gelesen habe. Ein weiteres Kriterium war, dass es in den letzten Wochen oder Monaten eine Neuerscheinung gegeben hat. Tanja Wekwerth, die bei meinem ersten Salon zu Gast war, hat ihren wunderbaren Berlin-Roman ÔÇ×Ein Hummer macht noch keinen Sommer“ im Juni bei Goldmann ver├Âffentlicht.

Wobei auch der Gedanke aufkam, es k├Ânnte ebenso reizvoll sein, Autoren aus (noch) unver├Âffentlichten Werken lesen zu lassen. Dar├╝ber lohnt es sich auf jeden Fall einmal nachzudenken

 Emilia Licht: Waren alle gleich begeistert?

Kerstin Hohlfeld: Ja, da gab es ganz viel positive Resonanz und die n├Ąchsten Abende sind schon lose geplant.

Emilia Licht: Wurden die anderen G├Ąste von Dir pers├Ânlich eingeladen, oder konnte sich jeder um eine der logischerweise wenigen Eintrittskarten bem├╝hen?

Kerstin Hohlfeld: Ich habe nat├╝rlich Freundinnen und Bekannte angesprochen, aber auch bei Facebook gepostet, um Leserinnen von ÔÇ×drau├čen“ anzusprechen. Das Konzept ist gut aufgegangen. Wir waren eine bunt gemischte Truppe. Au├čerdem sa├čen drei Autorinnen im Publikum, die ich gleich f├╝r die kommenden Abende eingeladen habe.

Emilia Licht: Wie umfangreich waren die Vorbereitungen?

Kerstin Hohlfeld: Ein bisschen Arbeit ist es schon, wobei die zuerst am Schreibtisch und Telefon stattfindet. Nachdem Tanja und ich einen Termin gefunden hatten, habe ich eine Einladung geschrieben und herausgeschickt. Ich war selbst gespannt, wie meine Idee ankommen w├╝rde. Aber da musste ich zum Gl├╝ck nicht lange zittern. Die Resonanz war durchweg positiv und meine Teilnehmerliste f├╝llte sich sehr schnell.

Dann habe ich mir Gedanken um das Catering gemacht und mich letztlich f├╝r Wasser, Wein und ein paar Platten mit Fingerfood entschieden.

Am Tag der Lesung wurde es dann etwas hektischer. Das Wohnzimmer herrichten, Essen zubereiten, Gl├Ąser und Getr├Ąnke hinstellen … und dann trudelten auch schon die ersten G├Ąste ein.

Alles in allem hielt sich der Aufwand in Grenzen. Der Effekt jedoch war ganz gro├čartig.

Tanja hat wunderbar gelesen und uns oft zum Schmunzeln gebracht. Ich blickte in lauter l├Ąchelnde, zufriedene Gesichter. Dem Wein und Essen wurde rege zugesprochen und ich glaube, beinahe alle haben mir gesagt, dass sie beim n├Ąchsten Mal gern wieder dabei w├Ąren.

Emilia Licht: Wenn sich nun auch andere B├╝cherfans dazu entschlie├čen, so eine Wohnzimmerlesung zu machen, welche Tipps hast Du f├╝r sie?

Kerstin Hohlfeld: Einfach machen. Ich denke, die meisten Autorinnen freuen sich ├╝ber eine Einladung zu einem engagierten B├╝cherfan. Denn genau von denen leben wir ja. Es gibt nichts Besseres, als Menschen, die sich f├╝r unsere B├╝cher einsetzen und sich M├╝he geben, um sie unter die Leute zu bringen.

Viele Autorinnen sind bei Facebook oder haben auf ihrer Homepage eine Kontaktadresse. Und fragen kostet ja bekanntlich nichts.

Emilia Licht: Wann gibt es den n├Ąchsten Literatursalon im Hause Hohlfeld?

Kerstin Hohlfeld:Ich denke noch in diesem Herbst. Am besten immer mal auf meine Facebook-Seite https://www.facebook.com/kerstin.hohlfeld.92 schauen. Da werde ich, neben den Neuigkeiten ├╝ber meine eigenen B├╝cher, beizeiten ├╝ber den n├Ąchsten Lesungsabend Bescheid geben.

Vielen Dank f├╝r das nette Interview!

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Interview mit Diana Steinbrede

W├Ąhrend der Arbeit an meinem Roman hatte ich das gro├če Vergn├╝gen, gleich mit zwei Lektorinnen arbeiten zu k├Ânnen. Diana Steinbrede und Heike Brillmann-Ede. Nachdem der Roman nun erschienen ist, war Diana Steinbrede so freundlich, mir ein paar Fragen ├╝ber ihren Beruf und ihre allt├Ąglichen Aufgaben zu beantworten.

Zur Person:
Diana Steinbrede hat Kulturwissenschaften studiert und arbeitete bereits w├Ąhrenddessen in verschiedenen Verlagen. Ihr Schwerpunkt liegt in der Kinder- und Jugendliteratur. Sie ist neben Prof.Dr. Hanns-Josef Ortheil und Klaus Siblewski Mitinitiatorin der Ersten Deutschen Lektorenkonferenz.

2010 machte sie sich selbstst├Ąndig und arbeitet seither f├╝r Egmont, L├╝bbe, Sauerl├Ąnder und Thienemann. Au├čerdem ist sie Dozentin an der Akademie f├╝r Autoren http://akademie-fuer-autoren.de/home/



Emilia Licht: W├╝rden Sie Ihren Werdegang zur Lektorin als typisch bezeichnen? Wann stand f├╝r Sie fest, dass Sie genau das machen m├Âchten?

Diana Steinbrede: Ich glaube, den ÔÇ×typischen Werdegang“ zur Lektorin gibt es nicht, da es dazu keine festgelegte Berufsausbildung gibt. Die meisten kommen ├╝ber Praktika und Volontariat, manche auch als Quereinsteigerinnen zu dem Beruf. Am wichtigsten ist wohl die Leidenschaft daf├╝r. Ich habe nach dem Abitur zun├Ąchst eine kaufm├Ąnnische Ausbildung gemacht, bevor ich mich dazu entschloss, Kulturwissenschaften zu studieren. Das ist nicht unbedingt das typische Studium, um in den Verlag zu gehen, aber ich habe bereits w├Ąhrenddessen viele Praktika in Verlagen gemacht und Kontakte sammeln k├Ânnen. Bereits ab dem ersten Lektoratspraktikum war f├╝r mich klar, dass ich genau das machen m├Âchte, und ich habe dann weiterhin m├Âglichst viele praktische Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt, zun├Ąchst als angestellte, in den letzten Jahren dann als freiberufliche Lektorin.

Emilia Licht: Was macht f├╝r Sie den Reiz des Lektorenberufes aus?

Diana Steinbrede
: Ich habe mich schon immer gerne mit Texten besch├Ąftigt, viel gelesen und als Jugendliche oft an Schreibworkshops teilgenommen. F├╝r mich ist es das Sch├Ânste, sich richtig in einen Text zu vertiefen, seine Stimmung aufzunehmen und daran zu feilen, zu ├╝berlegen, wie man ihn verbessern und m├Âglichst vielen Lesern zug├Ąnglich machen kann. Diese intensive Textarbeit ist leider in vielen Verlagen oft nicht mehr so einfach durchzuf├╝hren, da sie immer mehr von administrativen und strategischen Aufgaben verdr├Ąngt wird, als Freiberuflerin habe ich noch mehr M├Âglichkeiten dazu. Au├čerdem finde ich den Beruf sehr vielf├Ąltig, weil man mit so unterschiedlichen Projekten und Menschen zu tun hat. Jeder Autor/jede Autorin ist anders, geht anders an das Schreiben heran, dementsprechend gestaltet sich dann auch der Arbeitsprozess, was ich sehr spannend und oft als Herausforderung empfinde.

Emilia Licht: Wie sieht einer Ihrer typischen Arbeitstage aus?

Diana Steinbrede: In der Regel verbringe ich die ersten Stunden damit, E-Mails zu beantworten und mich um Dinge zu k├╝mmern, die nicht unmittelbar mit der Textarbeit zusammenh├Ąngen, wie z.B. das Sichten von Illustrationen, Briefe oder Rechnungen zu schreiben, ggfs. Klappentexte, Inhaltsangaben oder Gutachten zu verfassen. Danach mache ich mich dann an die Textarbeit. Im Idealfall kann ich ungest├Ârt an nur einem Text arbeiten, aber meistens laufen mehrere Projekte parallel, teils in unterschiedlichen Stadien, sodass ich die Arbeitszeit je nach Dringlichkeit aufteile. H├Ąufig kommen dann noch Telefonate dazwischen, in denen ich mit Autoren/Autorinnen oder Verlagslektorinnen aktuelle Projekte bespreche. Meistens hat der Tag dann immer viel zu wenige Stunden. ;-)

Emilia Licht: Sie bieten au├čer Lektorat auch das Korrektorat sowie Textgutachten an. K├Ânnen Sie kurz die Merkmale dieser Dienstleistungen beschreiben?

Diana Steinbrede: Bei der Begutachtung von Texten geht es haupts├Ąchlich darum, f├╝r die Verlagslektorinnen aus der Flut von eintreffenden Texten nach der Messe eine Art Vorauswahl zu treffen, da nicht alle Manuskripte von ihnen gelesen werden k├Ânnen. Dabei handelt es sich ├╝berwiegend um fremdsprachige Texte, die ich dann lese und eine Einsch├Ątzung dazu abgebe, inwiefern Sprache, Handlungsaufbau und Charaktere stimmig und glaubw├╝rdig sind, ob sie den aktuellen Marktanforderungen entsprechen, welche Zielgruppe sie ansprechen und ob sie in das Profil des jeweiligen Verlags passen w├╝rden. Anhand dieser Gutachten k├Ânnen die Verlage dann entscheiden, ob sie ein Manuskript in die engere Wahl nehmen. Gelegentlich schreibe ich auch Gutachten f├╝r deutsche Autoren, die einfach eine Einsch├Ątzung der St├Ąrken und Schw├Ąchen ihres Textes haben m├Âchten.
Das Korrektorat ist sozusagen die letzte Stufe vor der Drucklegung. Der lektorierte Text ist dann schon fertig gesetzt und es geht darum, noch einmal Rechtschreibung und Grammatik zu pr├╝fen, Orts- und Personennamen zu recherchieren, auf einheitliche Schreibweisen zu achten und auch satztechnische Probleme zu beheben, wie z.B. falsche Trennungen oder das Einbringen von Zeilen beim ├ťbersatz. H├Ąufig lese ich jedoch trotzdem immer noch mit einem halben ÔÇ×Lektoratsauge“ und markiere dann nat├╝rlich auch Stellen, wo mir evtl. noch Logikfehler auffallen, kleine stilistische Ungereimtheiten oder Wortwiederholungen. So ganz trennen l├Ąsst sich das meistens nicht.



Emilia Licht: Sie haben den aktuellen Roman von Emilia Licht ÔÇ×Von Mauern und Flammen“, gemeinsam mit Ihrer Kollegin Heike Brillmann-Ede lektoriert. Wie kann man sich eine solche Zusammenarbeit vorstellen?

Diana Steinbrede: Meine Kollegin habe ich bereits bei einem Praktikum kennengelernt, seitdem haben wir schon seit Jahren immer wieder miteinander zu tun gehabt, auch wenn wir nie im selben Verlag gearbeitet haben. Wir haben den Text jeweils parallel gelesen und dann in ausf├╝hrlichen Telefonaten unsere Meinung dazu ausgetauscht. Eine von uns hat dann relevante Punkte, die wir ├Ąndern w├╝rden, ausformuliert, die andere hat erg├Ąnzt und dann gingen unsere Vorschl├Ąge an die Autorin, damit sie entscheiden konnte, was sie davon umsetzen m├Âchte. Bei der Feinarbeit am Text haben wir dann die Seiten aufgeteilt und jede hat ÔÇ×ihren“ Teil lektoriert und ├╝ber die Korrekturen der anderen noch mal kurz dr├╝bergeschaut. Wir haben festgestellt, dass wir bei der Beurteilung von Texten sehr ├Ąhnlich ÔÇ×ticken“, was im Laufe der letzten Jahre zu einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit gef├╝hrt hat.

Emilia Licht: Was hat Sie an diesem Manuskript gereizt, oder anders gefragt, was muss ein Manuskript haben, dass Sie den Auftrag ├╝bernehmen?

Diana Steinbrede: W├Ąhrend des Studiums konnte ich es immer gar nicht so richtig glauben, wenn Lektoren gesagt haben, dass sie im Grunde nach den ersten zehn Seiten eines Manuskripts schon sagen k├Ânnen, ob der Autor schreiben kann oder nicht. Nachdem ich nun selbst so h├Ąufig Manuskripte gepr├╝ft habe, kann ich das nur best├Ątigen. Entweder es packt einen – oder eben nicht. Zum einen muss meiner Meinung nach ein gewisses Talent zum Schreiben erkennbar sein. Das hei├čt keineswegs, dass der Text schon perfekt sein muss, denn daf├╝r gibt es ja das Lektorat. Vielmehr sieht man ein gewisses Potenzial und merkt relativ schnell, an welchen Punkten man ansetzen muss, um das Ganze zu einer runderen Sache zu machen. Das ist nat├╝rlich immer irgendwo auch eine subjektive Entscheidung, und man kann sich da sicher auch mal irren, aber mir ist einfach wichtig, an einem Text genau dieses sprachliche Entwicklungspotenzial zu sp├╝ren, also zu merken, was man daraus machen k├Ânnte. Weiterhin ist mir wichtig, dass die Geschichte einigerma├čen stimmig ist. Gerade an solchen Punkten kann man im Lektorat ja noch viel machen, aber es muss eine Struktur sein, die grunds├Ątzlich Hand und Fu├č hat, damit man sie weiterentwickeln kann. Da ich ├╝berwiegend f├╝r Verlage arbeite, die die Manuskripte schon eingekauft haben, hat da nat├╝rlich im Vorfeld schon eine ÔÇ×Qualit├Ątskontrolle“ stattgefunden. H├Ąufig entscheidet daher auch der Zeitfaktor, ob ich ein Projekt noch ├╝bernehmen kann oder nicht.
Im Fall von ÔÇ×Von Mauern und Flammen“ fand ich besonders das Grundthema interessant, da ich selbst die Wendezeit nur als Kind miterlebt und daher nicht so aktiv wahrgenommen habe. F├╝r mich ist es immer spannend, mich mit Themen zu besch├Ąftigen, die mir auch neue Perspektiven er├Âffnen.


Emilia Licht: Wenn Sie jungen Autoren zwei Tipps geben k├Ânnten, um ihren Schreibstil auf die n├Ąchsth├Âhere Stufe zu heben, welche Tipps w├Ąren das?

Diana Steinbrede: 
1.Mut zum Streichen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade junge Autoren dazu neigen, vieles sehr ausf├╝hrlich zu beschreiben, was der Handlung oft das Tempo nimmt. H├Ąufig gewinnt ein Handlungsverlauf schon allein dadurch, dass man einfach strafft. Doch auch f├╝r den sprachlichen Aspekt gilt diese Regel. Zu viele blumige Adjektive, Metaphern, F├╝llw├Ârter und eine unausgewogene Satzstruktur lassen viele Texte ├╝berfrachtet wirken, da man dem Leser damit auch die M├Âglichkeit nimmt, sich selber ein Bild zu machen. Denn genau das macht den Reiz des Lesens aus: Jeder liest die Geschichte anders, hat eine andere Vorstellung davon. Ein ehemaliger Literaturlehrer von mir sagte immer: ÔÇ×Ein Autor hat keine Gef├╝hle, er erzeugt welche.“ Also immer wieder hinterfragen, ob man dem Leser bestimmte Informationen wirklich geben muss, oder ob er darauf nicht durch den Kontext selbst schon kommen kann.
2.Charaktere mit Ecken und Kanten schaffen. Es sind meiner Meinung nach die Figuren, die eine Geschichte erst interessant machen, denn die meisten Plots sind so oder ├Ąhnlich schon mal irgendwie erz├Ąhlt worden. Es sind die Charaktere, die die Leser mitrei├čen und die Geschichte einzigartig machen. Und je vielschichtiger solche Figuren sind, umso besser kann der Leser sich mit ihnen identifizieren, denn schlie├člich sind die Menschen selbst auch nicht perfekt und m├Âchten sich in den Figuren wiederfinden k├Ânnen. Ein guter Charakter muss auch mal so richtig sch├Ân auf die Schnauze fallen k├Ânnen.



Vielen Dank f├╝r das Interview!